„Ich kann mir Gesichter so schlecht merken.“ – Vielleicht haben Sie diese kleine Ausrede auch schon einmal benutzt, wenn Ihnen der Name flüchtiger Bekanntschaften partout nicht mehr einfällt. Mit einer Prosopagnosie sind solche kleinen Aussetzer allerdings nicht zu verwechseln. Denn wer von einer Gesichtserkennungsschwäche oder gar Gesichtsblindheit betroffen ist, hat nicht nur Schwierigkeiten, Bekannte wiederzuerkennen, sondern kann mitunter selbst engste Familienmitglieder anhand ihrer Gesichtszüge nicht zuordnen. Sehen können Prosopagnostiker dabei genauso gut oder schlecht wie ihre Mitmenschen. Das Problem liegt nicht beim Auge, sondern bei den Hirnarealen, die für die Verarbeitung des Bildes zuständig sind und das Erkennen ermöglichen. Auf den ersten Blick anzumerken ist das den wenigsten Prosopagnosie-Patienten. Fast alle haben alternative Strategien entwickelt und orientieren sich an Aspekten wie Stimme, Gangart oder Kleidungsstil. Freilich sind solchen Lösungen im Alltag Grenzen gesetzt. Gerade in Kontexten wie Schule, Uni oder am Arbeitsplatz, wo wir mit vielen Menschen interagieren, fällt Betroffenen die Zuordnung schwer.  

Prosopagnosie: Kamera flüstert zu

Wirksame Hilfe für rund zwei Millionen Prosopagnostiker allein in Deutschland bietet jetzt eine Technologie, die ursprünglich für Blinde und Personen mit starker Sehbehinderung entwickelt wurde. Dabei handelt es sich um ein winziges Kamerasystem, das Nutzer an ihre Brille stecken können, um sich Worte oder ganze Texte unauffällig vorlesen zu lassen. Für Prosopagnosie-Patienten ist dabei eine Zusatzfunktion entscheidend: Mit der sogenannten OrCam können sie Bilder ihres Gegenübers aufnehmen und mit Namen speichern. Bei der nächsten Begegnung erhalten sie über das System unauffällig die akustische Information, um welche Person es sich handelt. Unangenehme Situationen, in denen sie ihre Gesichtserkennungsschwäche erklären müssen, fallen dadurch im normalen Alltag nach und nach weg. Die Betroffenen können sich auf das konzentrieren, was für sie im jeweiligen Moment wesentlich ist und werden nicht mehr permanent mit ihrem Handicap konfrontiert. Da das System nicht mit dem Internet verbunden ist, bleibt der Datenschutz aller Akteure dabei gewahrt. Prosopagnosie

Ohne Brille geht es (noch) nicht

Von der neuen Technologie, die in Deutschland erst seit Kurzem erhältlich ist, können Kinder und Erwachsene gleichermaßen profitieren. Einzige Voraussetzung: Nutzer sollten sich darauf einstellen, eine Brille zu tragen – selbst wenn ihre Augen im Grunde perfekt funktionieren. Denn das Brillengestell ist als Halterung für die OrCam unverzichtbar. – Nur ein kleiner Wermutstropfen, wenn man bedenkt, dass Brillen heute mehr denn je nicht nur als Sehhilfe, sondern vor allem als modisches Statement dienen. Zudem haben OrCam-Nutzer nahezu völlig freie Wahl bei der Entscheidung für ein schickes Modell mit oder ohne Stärke. Die Minikamera selbst ist so klein ist, dass sie optisch kaum ins Gewicht fällt. Da Prosopagnosie in den meisten Fällen angeboren auftritt, müssen Kinder und Jugendliche ganz besonders mit den Symptomen und den sozialen Schwierigkeiten kämpfen, die sich daraus ergeben. Ob sie trotz ihres Handicaps den Mut sowie die Kompetenz entwickeln, auf Gleichaltrige zuzugehen, ist eine Frage des persönlichen Temperaments, aber auch der entsprechenden Hilfsangebote. Eltern, Pädagogen und Neuropsychologen sind hier gefordert, kleine Mädchen und Jungen mit Prosopagnosie aufmerksam und achtsam zu begleiten, damit eine normale Entwicklung möglich ist. Kinder, die schon frühzeitig eine OrCam tragen, erlernen den Umgang mit der Technologie spielerisch und ohne das Gefühl, in irgendeiner Weise behindert zu sein. Die innovative Minikamera empfinden die Kleinen dann gar nicht unbedingt als Hilfsmittel, sondern als „cooles“ Accessoire, das ihnen im Sandkasten oder auf dem Schulhof ein paar echte „Superkräfte“ verleiht. Wer mehr über die OrCam MyEye erfahren will, kann hier kostenlose Informationen anfordern.
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